Familie & Partnerschaft

Kinderbetreuung

February 14, 2018
Juliane-Tranacher

Au Pair, Nanny oder Day Care – Welche Betreuung ist am besten für dein Kind?


Die Betreuungsmöglichkeiten für (Klein-)Kinder in den USA sind vielfältig. Die gängigsten sind Au Pair, Nanny und Day Care. Doch welches Angebot ist das beste für dein Kind? Ein Überblick.

In Amerika ist es üblich, das Kind schon sehr früh in eine Betreuung zu geben – oft schon nach wenigen Wochen. Denn einen Mutterschutz, wie wir ihn aus Deutschland kennen, gibt es hier grundsätzlich nicht. Und auch auf Kinder- oder Elterngeld besteht kein rechtlicher Anspruch. Viele Eltern kehren deshalb schon nach wenigen Wochen zurück zur Arbeit und stehen vor der Qual der Wahl: Geben sie ihr Kind in eine Kita, die sogenannte Day Care? Oder wählen sie doch lieber eine Eins-zu-Eins-Betreuung durch Nanny oder Au Pair?

Expats und andere Ausländer, die in den USA leben, haben zwar häufig das Glück, dass sie nicht auf zwei Einkommen angewiesen sind und einer der Partner für längere Zeit Zuhause bleiben kann. Doch auch bei ihnen kommt früher oder später meist der Punkt, an dem sie ihr Kind zumindest für eine gewisse Zeit in die Obhut eines anderen geben möchten.

Gerade für diejenigen, die noch nicht so lange in Amerika leben und sich mit den Betreuungsmöglichkeiten wenig auskennen, kann die Wahl zwischen den gängigen Optionen Day Care, Nanny und Au Pair schwierig sein. Um dir die Entscheidung zu erleichtern, erläutern wir im Folgenden die Unterschiede und gehen auf die Vor- und Nachteile der jeweiligen Betreuungsangebote ein.

Die Day Care

Die amerikanischen Day Cares sind vergleichbar mit den deutschen Kitas, wobei es sich dabei entweder um größere Einrichtungen handeln kann oder um private Betreiber, die die Kinder in ihren Privaträumen betreuen.

Je nach Größe der Day Care werden die Kinder in verschiedene Altersgruppen unterteilt. In manchen Day Cares verbringen die Kinder die meiste Zeit schlicht damit, draußen und drinnen zu spielen, zu basteln und gemeinsam zu singen. In anderen Day Cares ist – je nach Alter der Kinder – schon ein richtiger Lehrplan vorgesehen, der beispielsweise Fremdsprachenunterricht, Zählen sowie erste Rechen und Schreibübungen beinhalten kann.

In der Regel ist es möglich, dass du dein Kind entweder Vollzeit, also fünf Tage die Woche, in die Day Care bringst, oder es nur für spezielle Tage in der Woche betreuen lässt. Die Kosten für die Day Care können stark variieren. Eine Studie der Webseite www.care.com kam zu dem Ergebnis, dass die durchschnittlichen Kosten für die Säuglingsbetreuung landesweit zwischen 6.605 US-Dollar und 20.209 US-Dollar im Jahr liegen und für Kleinkinder (zwölf Monate bis drei Jahre) zwischen 8.043 US-Dollar und 18.815 US-Dollar. Es lohnt sich also, verschiedene Angebote einzuholen!

Zu bedenken ist dabei: Wenn du nur ein Kind hast, ist eine Day Care im Vergleich zur Nanny wahrscheinlich die günstigere Alternative. Hast du aber mehrere Kinder, kann sich die Betreuung durch eine Nanny rentieren.

Jede Day Care muss vom Staat lizensiert werden – die Voraussetzungen für eine Lizensierung variieren jedoch von Staat zu Staat. Um sichergehen zu können, dass die jeweilige Einrichtung den eigenen Ansprüchen gerecht wird, solltest du deshalb unbedingt einen Termin vor Ort vereinbaren und mit den Mitarbeitern sprechen. Einen Überblick über zentrale Fragen, die du in diesem Gespräch stellen solltest, findest du auf der Webseite von Child Care Aware.

Wenn du mit dem Gedanken spielst, dein Kind in einer Day Care anzumelden, solltest du dich frühzeitig informieren. Je nach Region gibt es Wartelisten, die zwischen sechs Monaten und einem Jahr lang sind. Auch deshalb solltest du unbedingt verschiedene Angebote einholen!

Die Nanny

Die Nanny ist eine Art Kindermädchen, das entweder im Haushalt der Familie wohnt („live-in-nanny“) oder nur stundenweise bei der Familie arbeitet („live-out-nanny). Zu ihren Aufgaben zählen neben der Kinderbetreuung, -erziehung und -pflege üblicherweise auch die Hausaufgabenbetreuung, Kochen, Einkäufe und Fahrdienste.

Eine Nanny kann in Teilzeit oder Vollzeit beschäftigt werden. Ihr Gehalt hängt einerseits vom Wohnort ab (in großen Städten können die Dienstleistungen deutlich teurer sein als in kleineren Städten und auf dem Land) und andererseits von Erfahrung, Qualifikation und Aufgabenumfang. Einer Studie der International Nanny Association aus dem Jahr 2014 zufolge liegt der durchschnittliche Stundensatz bei rund 19 US-Dollar. Live-In-Nannys erhalten meist ein etwas geringeres Gehalt als Live-Out-Nannys, da für Unterbringung und Verpflegung im ersten Fall gesorgt wird. Die vollständige Studie findest du hier.

Die Webseite www.care.comkam im Jahr 2016 auf einen deutlich niedrigeren Durchschnitts-Stundensatz von 13.63 US-Dollar. Für eine Vollzeit-Nanny, die 40 Stunden pro Woche arbeitet, ergibt sich damit ein wöchentliches Gehalt von rund 545 US-Dollar und jährliche Kosten von etwa 28.354 US-Dollar.

Der Vorteil einer Nanny im Vergleich zur Day Care ist, dass die Hilfe, die du erhältst vielseitiger ist. Schließlich kümmert sich die Nanny nicht nur um das Kind, sondern kann auch Aufgaben im Haushalt übernehmen. Der Nachteil: Wenn deine Nanny im Urlaub ist oder sich kurzfristig krank meldet, kann es schwierig sein, auf die Schnelle einen Ersatz zu finden. Zudem hat dein Kind weniger Kontakt zu anderen Kindern und lernt so eventuell später, sich gut auf andere einzustellen und mit ihnen auszukommen. Für Spielgruppen oder andere „Classes“ musst du außerdem zusätzliches Geld bezahlen.

Gute Anlaufstellen, um eine passende Nanny zu finden, sind unter anderem die Plattformen www.care.com, www.sittercity.com, www.enannysource.com, www.seekingsitters.comund www.babysitters4hire.com.

Das Au Pair

Bei einem „Au Pair“-Programm handelt es sich um ein meist einjähriges Austausch-Programm für junge Erwachsene, das ihnen kostengünstig einen Auslandsaufenthalt ermöglicht. Über eine Agentur können sich Familien gegen Gebühr registrieren lassen; die Agentur sucht dann passende Au Pairs aus ihrem Pool für die Familie aus. Bekannte Au-Pair-Agenturen sind unter anderem Cultural Care Au Pair, Au Pair in America, InterExchange Au Pair USA, EurAupair und USAu Pair.

Die einmaligen Programm-Kosten für Familien belaufen sich in der Regel auf rund 8.000 US-Dollar bis 9.000 US-Dollar. Hinzu kommt ein wöchentliches Taschengeld für das Au Pair von rund 200 US-Dollar sowie einmalig rund 500 US-Dollar für Weiterbildungsangebote, welche das Au Pair etwa für einen Sprachkurs verwenden kann. Darüber hinaus muss die Familie – wie bei einer Live-In-Nanny – für Unterbringung und Verpflegung des Au Pairs sorgen, ein extra Schlafzimmer und Bad muss also vorhanden sein.

Die Arbeitszeit des Au Pairs darf zehn Stunden täglich nicht überschreiten; zudem müssen mindestens 1,5 freie Tage pro Woche gewährt werden. Neben der Kinderbetreuung können Au Pairs auch leichte Hausarbeiten wie das Wäschewaschen übernehmen. Sie sind aber explizit keine Haushaltshilfen, werden also nicht deine komplette Wohnung putzen oder ähnliche Aufgaben übernehmen.

Der Vorteil eines Au Pairs gegenüber der Nanny ist, dass das Au Pair in der Regel deutlich günstiger ist. Zu bedenken ist dabei allerdings, dass es sich bei Au Pairs um junge Erwachsene handelt, die – anders als viele Nannys – keine spezielle Ausbildung in der Kinderpflege und -erziehung erhalten haben. Zudem sind sie häufig das erste Mal weit weg von Zuhause und haben mit Herausforderungen wie Heimweh, der fremden Sprache und Kulturschock zu kämpfen. Im Gegensatz zur Live-Out-Nanny wohnt das Au Pair bei dir Zuhause. Deshalb solltest du dich bei der Entscheidung für oder gegen ein Au Pair unbedingt fragen, ob du dir vorstellen kannst, noch jemanden bei dir wohnen zu haben und das eigene Leben mit einer zunächst völlig fremden Person zu teilen.

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