Familie & Partnerschaft

Spracherwerb & Multilingualismus

May 28, 2019
Dr. Sabine Schwab

Im Teil I der Artikelreihe „I understand only train station” ging es um Kuchenstücke, Weinreben und Barbesuche. Ausserdem haben wir gelernt, warum Amerikaner kein griechisch verstehen und warum sie ab und zu auf die “bullet” beissen.

Teil II unserer Reihe zum Thema Redewendungen beschäftigt sich unter anderem mit Hunden, die die falschen Bäume anbellen, einem blauen Mond, und damit, warum es in englischsprachigen Ländern keine Bindfäden sondern Katzen und Hunde regnet.:


1. Barking up the wrong tree

Wörtlich übersetzt heißt „barking up the wrong tree” „den falschen Baum anbellen”. Übertragen bedeutet die Redewendung nichts anderes als einen Fehler zu machen oder eine falsche Annahme zu treffen.

Ursprung hat die Redewendung in der Jagd: Jagdhunde werden eingesetzt, um dem Jäger anzuzeigen, wo die Beute zu finden ist. Um zu entkommen verstecken sich die gejagten Tiere oft auf einem Baum.

Bekannt ist „barking up the wrong tree” in den USA seit den 1830er Jahren. Erstmalig ist es vermutlich in James Kirke Paulding’s book “Westward Ho!” erschienen. Von dort aus wurde die Redewendung in zahlreiche Zeitungsartikel übernommen.


2. Once in a blue moon

„Once in a blue moon” wird heutzutage verwendet, wenn etwas sehr selten stattfindet. Eine entsprechende deutsche Übersetzung wäre zum Beispiel “Alle Jubeljahre”. Von einem blauen Mond war im Mittelalter Englands jedoch nicht die Rede, wenn etwas selten geschah, sondern wenn etwas niemals geschah.

Doch woher stammt die Redewendung überhaupt? Dazu gibt es zwei Antworten, von denen sich eine zwar als richtig etabliert hat, aber keine der beiden tatsächlich wahr ist.

Antwort 1: Mit „once in a blue moon” ist der Mond gemeint, wenn er blau aussieht. Antwort 2: „Once in a blue moon” meint den zweiten vollen Mond in einem Monat.

Zu Antwort 1: Ab und zu sieht der Mond tatsächlich blau aus. Dies geschieht meistens dann, wenn irgendwo auf der Welt ein Vulkan ausgebrochen ist. Die Aschepartikel in der Atmosphäre tragen dazu bei, dass der Mond blau erscheint. Doch die Tatsache, dass die Redewendung ursprünglich “niemals” meinte, verglichen mit der Realität, dass “blaue Monde” wirklich manchmal existieren, deutet darauf hin, dass diese Erklärung nicht Ursprung dieser Redewendung ist.

Wie sieht es mit der zweiten Antwortmöglichkeit aus (jeder zweite volle Mond in einem Monat)? Die Redewendung „once in a blue moon” entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts, lange nachdem die ursprüngliche Bedeutung von “niemals” aus dem Sprachgebrauch verschwunden war.

Schuld an der fehlerhaften Interpretation ist der Amateur-Astronom James Pruett, der die Almanac, eine Art Bauernkalender, falsch deutete.

Besagter Kalender enthielt alle zukünftigen “blue moons”. Dabei handelte es sich um Kalenderjahre, in denen eine der vier Jahreszeiten statt den ursprünglichen drei Vollmonden pro Jahreszeit einen weiteren Vollmond aufweist. Da die regulären zwölf Vollmonde allen einen Namen haben (z.B. Erntemond im Oktober, Jägermond im November, etc.), wurde dem zusätzlichen Vollmond ebenfalls ein Name zugeteilt: Der “Blue Moon”.

Laut James Pruett ist fälschlicherweise jeder Monat mit zwei Vollmonden ein “blue moon”. Dieses Phänomen ist allerdings nicht ganz so selten - ein Monat mit zwei Vollmonden kommt in etwa alle drei Jahre einmal vor. Leider hat sich Pruetts Definition in eine Erstausgabe vom beliebten Brettspiel “Trivial Pursuit” eingeschlichen, und somit in der Gesellschaft Verbreitung gefunden.


3. It’s raining cats and dogs

„It’s raining cats and dogs” heißt übersetzt „Es regnet Katzen und Hunde”. Selbstverständlich regnet es nicht wirklich Haustiere vom Himmel, wenn diese Redewendung verwendet wird. Im Deutschen würde man eher sagen “Es regnet Bindfäden.” Aber auch das ist Unfug und nur im übertragenen Sinne zu verstehen.

Bei „It’s raining cats and dogs” handelt es sich um einen Ausdruck aus dem 17. Jahrhundert. Eine weit verbreitete Theorie besagt, dass kleine Tiere (inklusive Hunde und Katzen, Mäuse oder Ratten) auf den damaligen Strohdächern Wärme suchten. Bei einem heftigen Regenguss wurde das Dach so sehr nass und rutschig, dass die Tiere herunter fielen. Unwahrscheinlich ist die Theorie alleine dadurch, dass Haustiere Unterschlupf suchen würden, wenn es derart stark regnet.

Eine zweite Theorie verlinkt das Sprichwort mit dem französischen Wort „catadoupe” (Wasserfall). Doch außer den ersten drei Buchstaben für das englische Wort für Katze (cat), oder der Tatsache, dass Regen auch aus Wasser besteht, gibt es keinen Zusammenhang.

Die letzte Theorie geht auf Sir Johnathan Swift zurück, der in „A Complete Collection of Polite and Ingenious Conversation in 1738” schrieb: „I know Sir John will go, though he was sure it would rain cats and dogs". Auch wenn Swift den Ausdruck „raining cats and dogs” verwendete, ist es wahrscheinlicher, dass die Tiere beim starken Regenfall von den Wassermassen auf den Straßen weggeschwemmt wurden, statt vom Himmel fielen. Bewiesen ist aber auch das nicht.

Leider konnten wir keinen wirklichen Ursprung des Sprichwortes finden. Weitere Hinweise nimmt das Team von HEIMAT Abroad aber gerne entgegen.


4. That’s a no-brainer

Im übertragenen Sinne ist ein „no brainer” ein Kinderspiel. Wörtlich übersetzt bedeutet es nichts anderes als „kein Gehirn”. Verwendet wird dieser Ausdruck immer dann, wenn etwas sehr einfach zu bewerkstelligen ist, oder eine Entscheidung ohne Nachdenken getroffen werden kann.

Erstmalig erwähnt wurde „no-brainer” in den 1950er Jahren. Erst viel später etablierte sich der Ausdruck auch für Menschen, die unintelligent erscheinen.


5. When in Rome, do as the Romans

„Wenn in Rom, verhalte dich wie die Römer” ist eine Aufforderung, sich als Besucher an die Gebräuche und Sitten einer Gesellschaft anzupassen.

Fraglich ist, warum englisch-sprechende Länder auf Rom verweisen, anstelle zum Beispiel auf London oder New York. Zurückzuführen ist der Ursprung der Redewendung auf Briefe von christlichen Heiligen, die im Jahre 390 AD Folgendes in lateinischer Sprache schrieben: „Romanum venio, ieiuno Sabbato; hic sum, non ieiuno: sic etiam tu, ad quam forte ecclesiam veneris, eius morem serva, si cuiquam non vis esse scandalum nec quemquam tibi.”

Übersetzt heißt es nichts anderes als „Wenn ich in Rom bin, faste ich am Samstag, aber hier (in Mailand), tue ich dies nicht. Folgst du auch den Gebräuchen der Kirche, die du besuchst, wenn du keinen Skandal auslösen möchtest?”

In englischer Sprache wurde die Redewendung erstmalig im Jahre 1599 aufgezeichnet – wenn auch nicht Wort für Wort: „For when a man doth to Rome come, he must do as there is done.” (Henry Porter), gefolgt von einem Fund aus dem Jahre 1621: „Wenn they are at Rome, they do there as they see done […]” (Robert Burton). Erst 1777 findet sich die Redewendung, so wie sie auch heute gebraucht wird: „When we are in Rome, we should do as the Romans do!” (Briefe des Papst Clemens XIV an Prior Dom Galliard; Brief 44).

Auf „When in Rome, do as the Romans” abgekürzt wurde das Sprichwort spätestens seit 1930. In dem Jahr wurde nämlich ein Theaterstück von Charles Faber mit gleichnamigen Titel uraufgeführt.


Über die Autorin:
Sabine Schwab ist Doktorin der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Mutter einer Tochter. Sie lebt seit 2010 im Bundesstaat New Jersey. An den USA gefällt der Reisebegeisterten insbesondere die Weite und Vielfalt des Landes sowie die Diversität der Kulturen. Für HEIMAT abroad schreibt Sabine als „Working Mom Expert”. Auch für die Bereiche „Bewerbung und Lebenslauf”, „Gesundheit/Krankenversicherung” sowie „Volunteering” ist Sabine die richtige Ansprechpartnerin.

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