Leben in den USA

Alltag in den USA

March 6, 2019
Kai Blum

Kriminalität in den USA

In diesem Artikel werden Tipps gegeben, wie man durch einfache Verhaltensregeln die Chancen, in den Vereinigten Staaten Opfer einer Straftat zu werden, wesentlich verringern kann. Viele dieser Hinweise wirst du hoffentlich bereits als selbstverständlich empfinden.

Gewaltverbrechen

Die Mordrate ist in den USA ungefähr sechsmal so hoch wie in Deutschland. Trotzdem sollte dich das nicht über die Maßen beunruhigen, denn die meisten Morde geschehen in Großstädten, und zwar in einkommensschwachen Stadtteilen und in Verbindung mit Gangs und Drogenhandel. Wenn du diese Stadtteile meidest, sinken die Chancen, dass du Opfer oder Zeuge einer Gewalttat wirst, ganz erheblich.

Versuch, die folgenden Regeln zu befolgen:

  • Geh nicht allein durch dunkle, einsame Straßen. Sei aufmerksam und achte auf verdächtige Personen. Präg dir die Straßennamen ein, so dass du im Notfall 911 anrufen und genau benennen kannst, wo du dich befindest. Die Himmelsrichtung und eine nahegelegene Straßenkreuzung machen diese Angaben leicht nachvollziehbar, zum Beispiel: „I’m on Liberty, one block west of Liberty and Main.“ Im Notfall sind die Streifenwagen der Polizei in Windeseile zur Stelle.
  • Solltest du trotz aller Unwahrscheinlichkeit mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt werden, bist du gut beraten, dem Täter die geforderten Wertgegenstände ohne Diskussion auszuhändigen. Vermeide Blickkontakt und spiel nicht den Helden.
  • Nimm keine Unbekannten im Auto mit und halte nicht an, um einem gestrandeten Autofahrer zu helfen. Es kann sich dabei um eine Falle handeln. Wenn du helfen willst, ruft die Polizei an, die sich dann um den Autofahrer kümmern wird.
  • Öffne nicht die Tür, falls eine unbekannte Person davor steht. Das gilt auch für Leute, die angeblich Reparaturen oder Wartungsarbeiten ausführen wollen, es sei denn, dass ein entsprechender Termin vereinbart wurde oder der Vermieter dich vorab informiert hat.
  • Wenn du in einem Haus mit mehreren Wohnungen lebst, solltest du niemanden in das Gebäude hineinlassen, den du nicht kennst.
  • Besonders problematisch ist die Vergewaltigungsrate in den USA, die beinahe viermal so hoch wie in Deutschland ist. Hier eine Reihe von Hinweisen:
  • Die meisten Bundesstaaten haben eine öffentliche Datenbank („sex offender registry“), in der du einsehen kannst, ob verurteilte Sexualstraftäter in deiner unmittelbaren Nähe wohnen.
  • Sexuelle Übergriffe werden allerdings in den meisten Fällen von Menschen begangen, die ihre Opfer gut kennen, also von Verwandten, Bekannten, Freunden, Kollegen oder Vorgesetzten. 31% aller Vergewaltigungen geschehen in der Wohnung des Täters, 27% in der Wohnung des Opfers, 7% im gemeinsamen Wohnraum von Täter und Opfer, 7% auf einer Party, 7% in einem Fahrzeug, 4% unter freiem Himmel und 2% in einer Bar.
  • Vermeide Situationen, in denen du es dem Täter durch Alkohol- oder Drogeneinwirkung einfach machst, dich zu überwältigen. Lass dein Getränk beim Besuch einer Bar oder einer Party nicht unbeaufsichtigt, damit niemand Gelegenheit hat, Date-Rape-Drogen hineinzutun.
  • Wende dich an die Personalabteilung, falls du von einem Kollegen oder Vorgesetzten bedrängt wirst.
  • Sollte dir jemand ständig nachstellen, kannst du vor Gericht ein Kontaktverbot („restraining order“) erwirken. Sollte dieses verletzt werden, ruf sofort die Polizei.
  • Sei besonders vorsichtig im Umgang mit Menschen, die du über das Internet kennengelernt hast. .

Richtiges Verhalten in Active Shooter Situations

  • Regelmäßig tauchen in den Nachrichten Meldungen auf, dass in den USA wieder einmal jemand wild um sich geschossen und mehrere Menschen getötet hat, an einer Schule oder Uni, am Arbeitsplatz, im Kino. In Amerika wird eine solche Schießerei als „active shooter situation“ bezeichnet und Experten haben Verhaltensregeln erarbeitet, wie man diese am besten überlebt. Auch wenn die Chancen extrem gering sind, dass du jemals mit einem derartigen Vorfall konfrontiert wirst, hier die wichtigsten Tipps:
  • Wenn irgendwie möglich, lauf weg sobald du Schüsse hörst. Das ist in den meisten Situationen wesentlich effektiver als sich zu verstecken. Die meisten Täter sind nicht ausreichend geübt, um bewegte Ziele zu treffen.
  • Falls du in einem Gebäude bist und der Täter den Weg zum Ausgang versperrt, bleibt dir allerdings nichts anderes übrig, als dich zu verstecken. Idealerweise findest du einen Raum, dessen Tür sich verschließen oder durch Möbelstücke blockieren lässt.
  • Falls Weglaufen oder Verstecken nicht möglich sind, solltest du den Täter angreifen statt ihn anzuflehen. Die meisten Täter erschießen wehrlose Opfer. Andererseits rechnen sie in der Regel nicht mit dem Widerstand unbewaffneter Menschen. Insbesondere wenn du den Täter von hinten oder von der Seite her attackieren kannst, stehen deine Chancen nicht schlecht, ihn zu überraschen und zu überwältigen. Nutze improvisierte Waffen: Feuerlöscher, Gürtel, Stühle.

Eigentumsdelikte

Informiere dich vor dem Kauf eines Hauses oder dem Mieten einer Wohnung über die Kriminalitätsrate des betreffenden Stadtteils, zum Beispiel auf www.neighborhoodscout.com.

Hier einige Empfehlungen:

  • Schließ deine Haus- bzw. Wohnungstür zu allen Tageszeiten ab.
  • Verriegel leicht zugängliche Fenster, wenn du nicht zu Hause bist und nachts zumindest in den Räumen, in denen du nicht schläfst.
  • Balkon- und Verandatüren sollten durch eine Metallstange gesichert sein, so dass sie nicht aufgeschoben werden können.
  • Sorg dafür, dass das Haus ringsum gut beleuchtet ist. Um Strom zu sparen, kannst du Lampen installieren, die durch Bewegungsmelder aktiviert werden und die ihren Strom aus Solarzellen beziehen.
  • Installiere bei Bedarf neue Schlösser und eine Alarmanlage.
  • Lass deine Garage auch tagsüber niemals offen stehen.

Vorsicht vor Kriminellen jeder Hautfarbe

Viele Weiße neigen dazu, bewusst oder unbewusst, junge schwarze Männer unter Umständen als Gefahr wahrzunehmen. Darüber vergessen viele, dass sie mit höherer Wahrscheinlichkeit das Opfer eines weißen Straftäters werden können und verhalten sich dementsprechend unvorsichtig.

Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent der Gewaltstraftäter, die 2011 verhaftet wurden, waren weiß und 38 Prozent schwarz. Morde von Schwarzen an Weißen und umgekehrt sind relativ selten: 84 Prozent der weißen Mordopfer wurden von Weißen getötet und 93 Prozent der schwarzen Mordopfer von Schwarzen.Sei also auf der Hut vor Kriminellen jeder Hautfarbe.


Über den Autor:
Kai Blum lebt seit 1994 in den USA und hat mehrere Bücher über seine neue Heimat geschrieben. Dazu gehören die Ratgeber „Alltag in Amerika. Leben und arbeiten in den USA“, „Bessersprecher Englisch“ und „Fettnäpfchenführer USA“. Mehr dazu auf www.kaiblum.com

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