Gesundheit

Gesundheitliche Vorsorge

May 5, 2020
Bettina Solfrian

Nie war Krankenversicherung in den USA wichtiger als jetzt

Die Corona-Krise hat in den letzten vier Wochen bereits 22 Millionen Menschen in den USA den Job gekostet. Und anders als in Deutschland verlieren viele mit ihrer Arbeit auch ihre Krankenversicherung, die an den Arbeitgeber gekoppelt ist. Was dann zu tun ist? Wir sagen es euch.

Wer von heute auf morgen seinen Job verliert und möglicherweise keine oder kaum Rücklagen hat, kämpft ums Überleben. Geld für eine Krankenversicherung zu zahlen, kommt einem da möglicherweise nicht sofort in den Sinn. Und dennoch ist es so wichtig. In den USA gibt es kein öffentliches Gesundheitssystem, kein Sicherheitsnetz, jeder ist auf sich gestellt. Rund eine halbe Million Familien pro Jahr gehen bankrott, weil sie keine Krankenversicherung hatten und die Kosten für eine schwere Krankheit oder einen Notfall selbst aufwenden musste. Ein Minimum an Versicherung zu behalten, ist daher beim Verlust des Arbeitsplatzes ein absolutes Muss!

Schritt 1: Informiere dich über COBRA

COBRA steht für den “Consolidated Omnibus Budget Reconciliation Act”, der berechtigten Mitarbeitern und ihren Angehörigen die Möglichkeit bietet, den Krankenversicherungsschutz fortzusetzen, wenn ein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz verliert oder eine Arbeitszeitverkürzung erfährt. Es gibt einige Bedingungen, unter denen dies möglich ist, und es hängt immer auch vom Arbeitgeber ab. Aber im Prinzip kannst du in deiner bisherigen Versicherung bleiben, indem du den Anteil des Arbeitgebers übernimmst und diesen plus deinen bisherigen Anteil zahlst. Damit kannst du gibt die hohe Qualität des Versicherungsschutzes beibehalten, die du gewohnt bist, allerdings sind die Kosten natürlich enorm und mittelfristig möglicherweise nicht mehr zu tragen.

Schritt 2: Möglicher Eintritt in den “Health Insurance Marketplace” besser bekannt unter Affordable Care Act oder ObamaCare

Normalerweise benötigt man einen besonderen Grund, um hier aufgenommen zu werden und muss sich an ganz bestimmte Zeitfenster für eine Aufnahme halten. Personen, die aufgrund der COVID-19-Krise ihren Arbeitsplatz verloren haben, erhalten derzeit aber Anspruch auf eine besondere Anmeldefrist. Dann heißt es ganz schnell die Angebote auf www.HealthCare.gov zu durchstöbern, die verschiedenen Angebote zu vergleichen und gegenüberzustellen.

Das Programm “Medicaid” beispielsweise versorgt Millionen von Amerikanern mit begrenztem Einkommen oder Behinderungen und viele Staaten haben Medicaid erweitert, um alle Menschen unter bestimmten Einkommensgrenzen abzudecken. Je nach Einkommen (oder eben keinem Einkommen) hast du als Arbeitnehmer sogar einige Monate Anspruch auf Medicaid. Allerdings ist damit deine Familie nicht mit abgesichert und der Versicherungsschutz ist begrenzt. Auch kannst du nur zu bestimmten Ärzten gehen und nicht zum Arzt deiner Wahl.

CHIP ist ein Krankenversicherungsprogramm für Kinder (Children’s Health Insurance Program), das Versicherungsschutz für Kinder und in einigen Staaten auch für schwangere Frauen in Familien bietet, deren Einkommen für Medicaid zu hoch, aber gleichzeitig zu niedrig ist, um sich eine private Versicherung leisten zu können.

Und ja. Dieses Vergleichen, Berechnen, Entscheiden ist anstrengend und zeitraubend. Aber es ist in Zeiten von Corona wichtiger als je zuvor.

Und wenn wir schon von Versicherungen sprechen… Möglicherweise können wir die durch Corona gewonnene Zeit ja nutzen, um unseren Versicherungsstand generell einmal zu checken. Welche Versicherungen machen (noch) Sinn? Welche braucht man möglicherweise nicht mehr? Es lohnt sich auch, über eine “renter’s insurance” nachzudenken, falls ihre eine solche noch nicht habt. Diese ist vergleichbar mit einer Hausrats- und Haftpflichtversicherung in Deutschland. Deckt also vieles ab und kostet nicht die Welt.


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