Leben in den USA

Lebenslinien

December 10, 2019
Gabi Hegan

Was bringt Deutsche, Österreicher und Schweizer nach Amerika? Welche wertvollen Erfahrungen haben sie in den USA gemacht und wie hat sie die Zeit im Ausland geprägt? In unserer Interview-Reihe stellen wir deutschsprachige Expats und Auswanderer vor und befragen sie zu ihrem Leben in Amerika, zu ihren Wünschen, Träumen und Sorgen.

Wir trafen Lukas Baeskow, einen 22-jährigen deutschen Musical Theater Schauspieler in New York City auf einen Cafe um über seinen bisherigen Werdegang, Pläne und Träume zu sprechen.

Lukas, woher kommst du ursprünglich?

Ich wurde in Idar-Oberstein im Hunsrück geboren und bin dort auch bis zur 8. Klasse ganz normal aufgewachsen.

Was ist nach der 8. Klasse passiert?

Danach habe ich ein paar Mal die Schule gewechselt. Aber freiwillig, ohne schlechte Noten oder Probleme! (lacht)

Du bist du jetzt 22 Jahre alt und wohnst in New York City. Wie kam es dazu?

Puh! Möchtet ihr die ganze Geschichte hören?

Aber gerne.

Ich wurde wie gesagt in Deutschland geboren und bin dort auch ganz normal aufgewachsen. Schon seit ich ein kleines Kind war, habe ich Trompete gespielt und wollte irgendwann auch einmal Musiker werden. Und deswegen bin ich eben nach besagter 8. Klasse auf das Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz in Montabaur gewechselt. Dort habe ich quasi meine Gymnasiallaufbahn weitergeführt, aber eben mit den Hauptfächern Musik und Trompete. Während der 10. Klasse war ich dann auf der Suche nach einem Auslandsprogramm für einen Teil der Oberstufe und bin dabei auf die Organisation UWC gestoßen.

Das United World College, also die internationale Schule, die du später besucht hast?

Ganz genau. Die United World Colleges sind eine weltweite Vereinigung, die Schüler aus durchschnittlich 95 verschiedenen Nationen zusammenbringt, um dort kulturelles Völkerverständnis zu schaffen, und gleichzeitig das internationale Abitur IB (International Baccalaureate) zu machen. Und somit bin ich in die Vereinigten Staaten, nach Montezuma im Staat New Mexico, gekommen.

Wie bist du dann nach New York und zum Theater gekommen?

Nachdem ich meinen Plan, Trompete zu studieren, mangels verfügbaren Trainings aufgeben musste, fing ich mit Gesangsunterricht an. Außerdem bot die Schule viele Möglichkeiten, um als Regisseur oder Darsteller bei Shows und Konzerten aktiv zu werden. Durch meinen Hintergrund als Magier haben mich diese Showelemente natürlich noch mehr gereizt. So habe ich mich dann bei verschiedenen Universitäten und Schulen beworben, und bin von der „American Musical and Dramatic Academy“ in New York angenommen worden.

Warum gerade Musical Theater?

Das ist eine gute Frage, gerade, da Musical Theater in Deutschland leider nicht so populär ist wie hier. Ich denke für mich ist es die einzigartige Verbindung zwischen Musik und Schauspiel, die es schafft, die Emotionen der Zuschauer zu erreichen. Musik hat einfach etwas magisches, das es eine ganz neue Ebene an Erzählmöglichkeiten eröffnet: egal woher man kommt, Musik kann jeden gleich in ihren Bann ziehen. Auch wenn man nicht versteht, was gesagt wird, ist man berührt. Musicals enden außerdem oft viel fröhlicher und hoffnungsvoller als Theaterstücke.

An dieser Stelle möchte ich aber auch sagen, dass ich ein großer Fan von klassischem, „normalem“ Theater bin und in vielen solchen Produktionen mitgewirkt habe! Es ist einfach eine ganz andere Erzählweise – so wie Film und Theater – beides ziemlich ähnlich, aber eben nicht das Gleiche. Es werden andere Taktiken und Methoden benutzt, um die Geschichte zu erzählen und darzustellen. Ich schätze beides gleichermaßen.

Was reizt dich am jetzigen Musical Theater, und was würdest du gerne ändern?

Hm. Das ist schwierig – alles hat seine guten und schlechten Seiten. Ich denke, dass es gut und wichtig ist, in der Theaterindustrie mehr auf Gleichberechtigung zu bauen und zu achten. Egal, ob sich um die Geschlechter oder ethnische Herkunft der Schauspieler und Schauspielerinnen handelt, um nur ein paar zu nennen. Ich freue mich immer mehr darüber, wenn neue Stücke und Projekte gezielt mit diesen Themen arbeiten und auch das Publikum dazu auffordern, sich damit auseinanderzusetzen. Denn nur so können wir Veränderungen herbeiführen und auch Erfolge erzielen.

Und in einem weniger ernsten Licht – ich bin kein großer Fan von Filmadaptionen als Musicals. Die hat man in der Vergangenheit sehr oft gesehen, und es gibt so viele tolle originelle Shows, die darauf warten, produziert zu werden. Das wäre toll.

Was ist dein Erfolgsgeheimnis?

Mein Erfolgsgeheimnis? (lacht) Das wüsste ich auch gerne! Ich denke, dass dieses Geschäft ein sehr hartes ist, in dem man sich zu einem gewissen Punkt auf ein bisschen Glück verlassen muss, aber in dem man dennoch alles andere tun kann und sollte, das in der eignen Macht steht, dem hervorzukommen. Viele unterschätzen die harte Arbeit hinter dem Erfolg – wie auch immer man den für sich selbst festlegt. Ich bin erfolgreich, so lange ich mit Freude und harter Arbeit das tun kann, was mir Spaß macht, nämlich Menschen mit den Geschichten, die ich erzähle, zu berühren.

Hast du Tipps für andere, die dieses Interview lesen?

Auf jeden Fall! Versuche deinen Traum zu leben. So viele Menschen haben mir gesagt, dass das Ganze eine Schwachsinns-Idee sei und ich nicht das Zeug dazu habe. Das ging so weit, dass ich mir das Ganze selbst so eingeredet habe. Jetzt sollte natürlich nicht jeder blind auf seinen Traum zusteuern, ohne das Ganze vorher genau durchzuplanen und alles Mögliche dafür zu tun. Aber wenn man es nicht einmal versucht? Dann kann man sich hinterher auch nicht beschweren.

Was sagt deine Familie zu deinen Plänen und deiner Laufbahn?

Meine Eltern hatten große Sorgen, und haben die bestimmt auch immer noch. Theater ist in etwa das Letzte, an das meine Eltern gedacht haben, da beide Ökonomen sind. Aber ich denke, dass sie meine harte Arbeit und Hartnäckigkeit überzeugt hat. Immerhin habe ich allein für drei Jahre in New York City überlebt.

Was wünschst du dir, würden andere über dich/oder den Beruf wissen?

Dass das Ganze viel harte Arbeit und ein kleiner, kleiner Anteil Glück ist. Viele sehen mich heute und sagen „Der hat ja so ein Glück und das Geld dazu, so einfach hätte ich es gerne auch!“ – danach wird es mir dann fast schlecht. Viele Menschen ahnen gar nicht, welche Jobs ich für diesen Traum angenommen habe und wir hart ich hierfür gearbeitet habe. Der ganze Punkt des Theaters ist es ja, das Ganze von außen einfach aussehen zu lassen! Deshalb: Wenn du nicht bereit bist, für deinen Traum Toiletten zu putzen, meinst du es vielleicht nicht so ernst, wie du es glaubst!

Was ist dein Lieblingsmusical?

Ganz klar: Tanz der Vampire! Damit hat alles angefangen.

Vielen Dank für dieses Interview.

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