Leben in den USA

Lebenslinien

September 10, 2019
Dorothea Mirwald

Lebenslinien: Sarah Conlon - Autorin in Boston


Was bringt Deutsche, Österreicher und Schweizer nach Amerika? Welche wertvollen Erfahrungen haben sie in den USA gemacht und wie hat sie die Zeit im Ausland geprägt? In unserer Interview-Reihe stellen wir deutschsprachige Expats und Auswanderer vor und befragen sie zu ihrem Leben in Amerika, zu ihren Wünschen, Träumen und Sorgen.

In diesem Interview sprechen wir mit Sarah Conlon. In Leipzig geboren studierte die Wahl-Pfälzerin in Heidelberg und Mannheim Amerikanische Literatur. Im Anschluss an ihren Masterabschluss hat sie erst einmal zehn Monate in Connecticut als Journalistin gearbeitet, bevor sie nach Frankfurt gezogen ist und dort bei einer großen Wirtschaftsprüfung gearbeitet hat. Seit Dezember 2017 lebt Sarah mit ihrem amerikanischen Mann in Boston und ist dort als Autorin tätig - unter anderem für die HEIMAT abroad Webseite und unser Magazin.


Liebe Sarah, was vermisst du besonders an Deutschland?

Deutsches Brot und Brötchen, die Drogeriemarktketten dm und Müller, Biergärten, Ritter Sport, Bäckereien, Quark und Maultaschen. Alles, was zu einem typisch deutschen Abendbrot gehört: Dunkles Brot, Leberwurst, Cornichons, Eiersalat. Mal ganz abgesehen vom deutschen öffentlichen Nahverkehr, dem guten deutschen Gesundheitssystem und allem, was sich um Arbeitnehmerrechte dreht. Daran werde ich mich wahrscheinlich nie gewöhnen; da haben wir es in Deutschland richtig gut. An was ich mich auch nie gewöhnen werde, ist, dass das Wasser in Restaurants immer mit Eiswürfeln kommt. Am Anfang habe ich noch oft gebeten, die Eiswürfel wegzulassen, aber da ich immer ganz komisch von der Bedienung angeguckt wurde, habe ich mittlerweile auf meine Extrawünsche verzichtet.

Und was vermisst du nicht?

Amerika ist viel weiter fortgeschritten, was Digitales angeht. Ich kann an der Tankstelle unkompliziert mit einer App bezahlen. Es gibt überall Uber und Lyft und ich kann mich für drei Dollar durch die Stadt kutschieren lassen. Ich brauche kein Kleingeld mehr mit mir rumtragen, so wie das in Deutschland üblich war – hier kann ich alles mit meiner Karte bezahlen. Boston hat zudem eine unglaubliche Vielzahl an Lunch-Möglichkeiten: von hawaiianischen Poke-Bowls bis Süßkartoffel-Gerichten ist alles dabei. Ich liebe vor allem die Craft-Beer-Auswahl und die vielen kleinen Kaffeeröstereien hier.

Wie unterscheidet sich dein Alltag hier von demjenigen in Deutschland?

Zum Frühstück gibt es oft Bagels und dazu erst einmal eine Folge „The Daily Show“. Leider gibt es hier in den USA keine Bäckereien, wie wir sie kennen, also fällt das typische Brötchen weg. Ansonsten ist meine Work-Live-Balance viel besser als in Deutschland, denn ich habe jeden Tag Punkt 17 Uhr Feierabend. Da ich in Neuengland wohne, bin ich zudem viel von Natur umgeben. An den Wochenenden sind wir fast immer draußen – im Sommer mountainbiken und im Winter snowboarden. Das nächste große Skigebiet ist knapp eine Stunde entfernt, genauso wie der nächste große National- oder State Park.

Was machst du, wenn du Heimweh hast?

Wenn ich Heimweh habe, schreibe ich (deutschen wie auch amerikanischen) Freunden oder skype mit meiner Familie, schaue ZDF oder esse Snacks, die „Made in Germany“ sind. Dann zahle ich auch mal zwei Dollar mehr für eine Ritter Sport-Schokolade. Und dann mache ich mir bewusst, warum ich nach Boston gezogen bin, und meist verschwindet das Heimweh dann schnell wieder.

Was gefällt dir am besten an deinem neuen Leben in Amerika?

Der amerikanische Humor! Das wird gerne vergessen, aber Amerikaner haben nicht nur in Sitcoms einen einzigartigen Humor. Sie sehen vieles gelassener und Smalltalk ist an der Tagesordnung – daran musste ich mich aber auch erst einmal gewöhnen. Außerdem mag ich, dass ich nicht mehr ewig an roten Fußgängerampeln warten muss, sondern einfach die Straße überkreuzen kann, wenn es passt. (Natürlich ist das hier eigentlich auch nicht erlaubt, aber das interessiert einfach niemanden) Zudem raucht hier so gut wie keiner mehr; es ist einfach nicht mehr sozial akzeptiert. Und in Restaurants gibt es kostenloses Wasser und endloses Nachfüllen von Kaffee. Überhaupt muss man in den Staaten nie mehr durstig sein, denn Wasser gibt es in jeder Mall oder öffentlichen Einrichtung.

Welche Jahreszeit magst du am liebsten und warum?

In Neuengland ist der Indian Summer unglaublich schön. Es ist einfach bis tief in den November rein noch herrlich warm draußen und die Farben des Laubs sind unglaublich.

Welche drei Dinge lässt du dir von deinem Besuch aus Deutschland mitbringen?

Deo-Spray oder Deo-Roller, weil es die hier nicht gibt, und Ritter Sport-Schokolade. Überhaupt alles von dm, weil es einfach günstiger ist als hier.

Liebe Sarah, vielen Dank für das Gespräch!

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