Leben in den USA

Lebenslinien

August 10, 2018
Juliane Tranacher

Lebenslinien: Sabine Schwab aus Northern New Jersey


Was bringt Deutsche, Österreicher und Schweizer nach Amerika? Welche wertvollen Erfahrungen haben sie in den USA gemacht und wie hat sie die Zeit im Ausland geprägt? In unserer Interview-Reihe stellen wir deutschsprachige Expats und Auswanderer vor und befragen sie zu ihrem Leben in Amerika, zu ihren Wünschen, Träumen und Sorgen.

In dieser Folge sprechen wir mit Sabine Schwab, die aus der Nähe von Aachen kommt und seit 2010 in Northern New Jersey lebt. Sabine schreibt schon seit vielen Jahren als freie Mitarbeiterin für unsere Partner-Seite CityKinder. Sie ist außerdem eine der Autorinnen unseres E-Books „Schwanger in Amerika“. Im Interview erzählt sie, was sie in die USA gebracht hat, was sie an ihrer neuen Heimat liebt – und was sie an den Amerikanern bis heute nicht verstanden hat.

Liebe Sabine, stell dich doch erst einmal in ein paar knappen Sätzen vor: Wie lange lebst du schon in den USA und wo genau wohnst du?

Ich komme aus der Nähe von Aachen, und lebe seit 2010 in Northern New Jersey. Mein Mann Michael und ich haben im Januar 2011 in NYC geheiratet, und 2013 ist unsere Tochter Clara zur Welt gekommen.

Was hat dich in die USA geführt?

Der Wunsch, nochmal in einem fremden Land zu leben, bestand schon seit der elften Klasse. Ich war damals für einige Zeit auf einer High School im französischsprachigen Québec, Kanada. Ich bin froh, in meinem Mann jemanden gefunden zu haben, der den gleichen Wunsch hegte. Dass wir in die USA gezogen sind, war eher Zufall. Wir haben beide unabhängig voneinander Jobangeobte für New Jersey erhalten. Da haben wir direkt zugesagt.

Was liebst du besonders an deiner neuen Heimat?

Mir gefällt die Weite des Landes besonders gut. Irgendwie fühle ich mich hier „freier“, der Himmel ist „größer“ und das Wetter wesentlich besser als in Deutschland. Selbst im Winter, wenn ein Blizzard den nächsten jagt und sogar der Strom ab und an ausfällt, hebt ein tiefblauer Himmel die Stimmung.

Außerdem liebe ich es, meine neue Heimat zu erkunden und zu bereisen. Jede Region hat ihre Besonderheiten. Ob White Water Kayaking in Colorado, Klettern in der Moab Desert in Utah, Surfen auf Maui, Skifahren am Lake Tahoe oder Hiking in Kalifornien – ich könnte mich gar nicht entscheiden, was mir am besten gefällt. Aber zum Glück muss man das ja auch gar nicht.

Und was vermisst du besonders an Deutschland? Wie wichtig sind dir deutsche Traditionen – und welche behältst du in der neuen Heimat bei?

Am Anfang habe ich das gute deutsche Brot sehr vermisst. Aber im Laufe der Jahre habe ich Geschäfte gefunden, die die Lebensmittel haben, die ich vermisse. Freunde und Familie fehlen natürlich auch. Aber dank Skype und Facetime sehen wir uns jetzt sogar öfter als zuvor.

Insbesondere seit der Geburt unserer Tochter vermissen wir Traditionen aus der alten Heimat. Wir feiern bestimmte deutsche Feste, die es in den USA nicht gibt, wie St. Martin, Nikolaus oder Karneval. Auch Weihnachten wird bei uns deutsch gefeiert – am 24. Dezember und nicht erst am Morgen des 25. Dezembers. Zudem kommt bei uns das Christkind und nicht Santa Claus. Vor dem hat meine Tochter sowieso noch immer ein wenig Angst.

Wann hattest du das Gefühl, die Amerikaner so richtig verstanden zu haben?

Das Verstehen einer anderen Kultur verläuft für mich in Phasen. Das liegt daran, dass man als Zugezogener gar nicht jeden Lebensbereich gleichzeitig erlebt. Ich lerne nach acht Jahren also immer noch und versuche zu begreifen, warum der Gegenüber so handelt, wie er handelt. Da ich von Anfang an gearbeitet habe, stand die Auseinandersetzung mit der amerikanischen Arbeitskultur als erstes an. Ich habe versucht, die Denkmuster und Verhaltensweisen meiner Kollegen zu verstehen – und irgendwann hat es „Klick“ gemacht. Ein anderer Bereich, in dem ich noch immer täglich aufs Neue lerne, ist derjenige der Kindererziehung. Es ist spannend, die verschiedenen Ansichten und Herangehensweisen amerikanischer Mütter zu beobachten. Eine Sache, die uns aber immer fremd bleiben wird, ist das oftmals nicht vorhandenen Umweltbewusstseins und die Esskultur. An Papp- und Plastikgeschirr werde ich mich nie gewöhnen können – und vor allem auch gar nicht gewöhnen wollen.

Hast du Kontakt zu anderen deutschsprachigen Expats/Auswanderern, von deren Erfahrungen du profitieren kannst?

In New Jersey gibt es ein riesiges deutsches Netzwerk von Expats und Auswanderern. In meiner ersten Woche in den USA habe ich gleich Kontakt zu einer Deutschen aufgenommen, deren Blog ich schon zuhause gefunden hatte. Sie hat mir Tipps gegeben, wo man am besten einkaufen kann, wo man günstig in NYC parkt und zu vielen anderen Dingen des alltäglichen Lebens. Wir sind noch heute befreundet – obwohl sie seit 2012 nicht mehr hier lebt.

Grundsätzlich muss ich aber sagen, dass ich es schwierig finde, mit Expats Freundschaften aufzubauen. Wir selbst sind ja schon recht lange und auf unbestimmte Zeit hier, die Expats aber bleiben meist nur zwei bis drei Jahre. Wir waren leider schon auf unzähligen Abschiedspartys. Das bricht einem jedesmal ein wenig das Herz – insbesondere wenn sich auch die Kinder angefreundet haben.

Welche drei Dinge lässt du dir von deinem Besuch aus Deutschland mitbringen?

Deutsche Kinderbücher, Taschentücher und Schokolade.

Welche Jahreszeit magst du am liebsten und warum?

Ich kann jeder Jahreszeit etwas abgewinnen, mag den Sommer aber am liebsten. Ich liebe es, wenn die Tage lang sind und die Nächte warm. Insbesondere eine letzte Abkühlung im Pool vor dem Schlafen gehen genieße ich sehr.

Und welchen Feiertag magst du am liebsten?

Mein liebster amerikanischer Feiertag ist Thanksgiving. Auch wenn wir keine Familie in den USA haben, genießen wir die vier freien Tage sehr. Wir feiern einfach mit Freunden „Friendsgiving“. Turkey zu essen ist inzwischen auch bei uns Tradition geworden – gepaart mit einem so genannten „Thankfull Tree“. Dabei schreiben wir auf bunten Pappkarton, für was wir alles dankbar sind, und kleben unsere Dankbarkeitsblätter an einen aufgemalten Baum.

Liebe Sabine, vielen Dank für das Gespräch!

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